Das Wichtigste in Kürze
- Wählen Sie digitale Pflegeassistenz danach aus, welche Aufgabe im Pflegealltag Unterstützung braucht: Hilfe anfordern, Ereignisse erkennen oder Daten dokumentieren.
- Eine funktionierende Rufanlage kann zusätzliche Ereigniserkennung benötigen. Eine digitale Pflegedokumentation kann trotzdem manuelle Übertragungsschritte verursachen.
- Lassen Sie Anbieter einen vollständigen Ablauf mit Ihrer vorhandenen Technik zeigen. Eine Funktionsliste beantwortet noch nicht, ob die Zusammenarbeit funktioniert.
- Vereinbaren Sie vor der Erprobung, welche Arbeitsschritte entfallen sollen und welche zusätzlichen Aufgaben vertretbar sind.
- Beginnen Sie mit einem klar abgegrenzten Bedarf. Weitere Funktionen sind sinnvoll, wenn sie ein zusätzliches Problem Ihrer Einrichtung lösen.
Ein digitales Pflegeassistenzsystem passt zu Ihrer Einrichtung, wenn es eine konkrete Versorgungslücke oder einen unnötigen Arbeitsschritt adressiert. Entscheidend sind der Unterstützungsbedarf und die vorhandene Technik. Livy Care, die KI-Raumassistenz der HUM Systems GmbH, erkennt in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern definierte Ereignisse passiv im Raum und alarmiert zuständige Pflegekräfte, ohne Wearable oder selbst ausgelösten Notruf. Ob zusätzlich eine Dokumentationsanbindung sinnvoll ist, hängt von Ihren Abläufen ab.
Beschreiben Sie zuerst eine wiederkehrende Situation, die heute nicht zufriedenstellend gelöst ist. Fehlt eine Information über Hilfebedarf, erreicht eine Meldung die falsche Person oder muss ein vorhandener Messwert erneut eingegeben werden? Diese Unterschiede bestimmen, welche Unterstützung gebraucht wird. Eine allgemeine Forderung nach weniger Arbeitsbelastung reicht als Auswahlkriterium nicht aus.
Schritt 1: Das Problem als beobachtbaren Ablauf beschreiben.
Statt „Wir brauchen mehr Digitalisierung“ könnte Ihre Anforderung lauten:
Damit unterscheiden Sie Erkennung, Datenübertragung und Alarmorganisation. Ein Produkt kann mehrere Aufgaben unterstützen. Entscheidend ist zunächst, welche davon Ihre Einrichtung tatsächlich verbessern muss.
Ordnen Sie das Problem einer konkreten Aufgabe zu: Hilfe anfordern, Ereignisse erkennen, Meldungen bearbeiten oder Informationen dokumentieren. Prüfen Sie anschließend, ob die vorhandene Technik diese Aufgabe bereits unterstützt. Möglicherweise fehlt eine Anbindung oder eine klare Zuständigkeit. Erst daraus ergibt sich, ob zusätzliche Technik, eine andere Einstellung oder ein veränderter Ablauf erforderlich ist.
Schritt 2: Den Bedarf mit möglichen Funktionen abgleichen.
| Ausgangssituation | Benötigte Unterstützung |
Was Sie sich zeigen lassen sollten |
|---|---|---|
| Eine Person kann Hilfe anfordern, erreicht den vorhandenen Auslöser aber nicht zuverlässig. | Geeignete, erreichbare Rufauslösung | Wie die Person im vorgesehenen Alltag Hilfe anfordern kann |
| Eine Person benötigt Hilfe, löst aber keinen Ruf selbst aus. | Erkennung geeigneter Ereignisse, beispielsweise Sturz oder konfiguriertes Bettverlassen | Welches Ereignis erkannt wird und wer anschließend informiert wird |
| Messwerte werden abgelesen, notiert und später eingetippt. | Verbindung zwischen Messgerät und Dokumentation | Wie der Wert der richtigen Person zugeordnet und übertragen wird |
| Meldungen kommen an, aber niemand weiß, wer zuständig ist. | Geregelte Zuweisung, Übernahme und Weiterleitung | Was bei Annahme und Nichtannahme einer Meldung geschieht |
| Ereignisdaten fehlen in der Pflegedokumentation. | Übertragung definierter Angaben | Welche Daten automatisch eingetragen werden und was das Team ergänzt |
Die Situationen sind Beispiele für die Bedarfsanalyse, keine individuellen Versorgungsempfehlungen. Welche Unterstützung eine betreute Person benötigt, beurteilt das zuständige Fachpersonal.
Eine weitere Anschaffung ist nicht immer die passende Antwort. Wenn eine vorhandene Funktion das Problem bereits lösen kann, sollten Sie zunächst prüfen, warum sie im Alltag nicht genutzt wird.
Eine Rufanlage unterstützt die Anforderung und Weiterleitung von Hilfe über die vorgesehenen Auslöser. Zusätzliche Ereigniserkennung kann sinnvoll sein, wenn ein relevanter Hilfebedarf ohne aktive Auslösung bekannt werden soll. Beide Aufgaben können zusammenwirken. Prüfen Sie deshalb getrennt, wie eine Meldung entsteht, wie sie weitergeleitet wird und wer darauf reagiert.
Ein fiktives Beispiel: Ein Bewohner benötigt beim nächtlichen Aufstehen Unterstützung. Die Rufanlage funktioniert, aber er nutzt den Taster in dieser Situation nicht zuverlässig. Die Einrichtung prüft deshalb, ob eine individuell konfigurierte Meldung beim Bettverlassen den Pflegeablauf sinnvoll ergänzt.
Anders ist die Situation, wenn der Bewohner klingelt, der Ruf aber nicht eindeutig zugeordnet wird. Dann liegt das Problem zunächst im Alarmweg oder in der Organisation der Bearbeitung.
Diese Unterscheidung hilft, die richtige Anforderung zu formulieren. Technische Auswahlkriterien vertieft der Leitfaden zur Auswahl eines Sturzerkennungssystems.
Automatische Dokumentation ist besonders dann prüfenswert, wenn Informationen bereits digital vorliegen, aber nochmals von Hand übertragen werden. Entscheidend ist, welcher Eingabeschritt tatsächlich entfällt. Die fachliche Bewertung, notwendige Ergänzungen und Maßnahmen bleiben Aufgaben des Pflegeteams. Lassen Sie deshalb den bisherigen Ablauf und den angebotenen Ablauf unmittelbar gegenüberstellen.
Bei einer Blutdruckmessung können unterschiedliche Arbeitsschritte anfallen: messen, Ergebnis ablesen, Person zuordnen, Wert übertragen und fachlich bewerten. Eine Geräteanbindung verändert nicht automatisch alle diese Schritte.
Die Schnittstelle zwischen Connext Vivendi und Livy Care zeigt einen konkreten Anwendungsfall: Die Pflegekraft führt die Blutdruckmessung durch und ordnet den empfangenen Wert in der App der richtigen Person zu. Anschließend überträgt die Anbindung das Ergebnis in die Pflegedokumentation.
Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Eingabe entfällt, und welche Bedienhandlung kommt hinzu? Prüfen Sie auch, wie falsche Zuordnungen oder fehlgeschlagene Übertragungen erkannt und korrigiert werden.
Livy Care kann Einrichtungen bei der Ereigniserkennung, Alarmierung und Übertragung ausgewählter Daten unterstützen. Welche dieser Funktionen gebraucht werden, ergibt sich aus dem jeweiligen Pflegeablauf. Für die Entscheidung sollten Einrichtungen den gewünschten Einsatz getrennt betrachten: Welche Situation soll erkannt werden, wer soll reagieren und welche Information soll anschließend dokumentiert sein?
Livy Care ist die KI-Raumassistenz der HUM Systems GmbH für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Das deckenmontierte System erkennt Stürze, Hilferufe sowie individuell konfigurierte Ereignisse wie Bett- und Raumverlassen und alarmiert zuständige Pflegekräfte über angebundene Endgeräte oder Rufsysteme. Die Erkennung erfolgt passiv im Raum, sodass Bewohnerinnen, Bewohner oder Patientinnen und Patienten kein Wearable tragen und keinen Notruf selbst auslösen müssen.
Über passende Anbindungen können zusätzlich ausgewählte Messwerte und Ereignisdaten in die Pflegedokumentation gelangen. Die Messwerte stammen dabei aus angebundenen Geräten. Der Deckensensor misst beispielsweise nicht selbst den Blutdruck.
Voraussetzungen und Grenzen:
Geben Sie jedem Anbieter denselben Anwendungsfall und dieselbe vorhandene Ausstattung vor. Lassen Sie den vollständigen Ablauf zeigen, einschließlich Personenzuordnung, Bearbeitung und möglicher Fehler. Halten Sie fest, welche Leistungen verfügbar sind und welche zusätzliche Komponenten benötigen. So vergleichen Sie die Unterstützung Ihrer Einrichtung und nicht lediglich unterschiedlich umfangreiche Funktionslisten.
Schritt 3: Eine konkrete Anforderung für das Anbietergespräch vorbereiten.
Diese Vorlage können Sie direkt verwenden:
| Prüffeld | Beispiel für die Messwertübernahme |
|---|---|
| Unser Problem | Messwerte werden notiert und später erneut eingegeben. |
| Gewünschte Veränderung | Die zusätzliche manuelle Übertragung soll entfallen. |
| Vorhandene Ausstattung | Messgerät, Dokumentationssoftware und eingesetzte Version benennen |
| Nachweis in der Vorführung | Messung, Personenzuordnung und Eingang in der richtigen Akte zeigen |
| Fehlerfall | Unterbrochene Verbindung oder falsche Zuordnung durchspielen |
| Offene Kosten | Geräteanbindung, Lizenz, Einrichtung, Schulung und Support ausweisen |
| Entscheidung | Erfüllt, teilweise erfüllt oder nicht erfüllt, jeweils mit Begründung |
Bei einer Ereignismeldung ersetzen Sie den Messablauf durch Erkennung, Zustellung und Übernahme. Lassen Sie ausdrücklich zeigen, was geschieht, wenn die zuständige Person die Meldung nicht annimmt.
Eine Verbesserung liegt vor, wenn der vereinbarte Ablauf im Alltag funktioniert und das Team die zusätzliche Bearbeitung bewältigen kann. Erfassen Sie deshalb entfallende Eingaben oder Wege ebenso wie neue Meldungen, Korrekturen und Rückfragen. Beziehen Sie die beteiligten Schichten ein. Legen Sie vor Beginn fest, welche Ergebnisse für eine Übernahme erforderlich sind.
Schritt 4: Beobachtbare Erfolgskriterien vereinbaren.
Bei der Messwertübernahme prüfen Sie, ob Werte zuverlässig in der richtigen Akte ankommen und die bisherige zusätzliche Eingabe entfällt. Bei Ereignismeldungen untersuchen Sie, ob zuständige Pflegekräfte die Information erhalten und damit arbeiten können.
Unterscheiden Sie dabei technische Fehlmeldungen von korrekt erkannten Ereignissen ohne aktuellen Unterstützungsbedarf. Ein tatsächliches Bettverlassen kann korrekt erkannt und trotzdem unnötig gemeldet werden. Dann ist die individuelle Konfiguration zu überprüfen.
Halten Sie Änderungen während der Erprobung fest. Sonst lässt sich später schwer beurteilen, welche Einstellung zu welchem Ergebnis geführt hat. Weitere Einsatzfragen behandelt der Beitrag zur digitalen Pflegeassistenz im Nachtdienst.
Vor der Entscheidung sollten Pflege, IT und Leitung dieselbe Vorstellung vom vorgesehenen Einsatz haben. Halten Sie erforderliche Funktionen, verbleibende Aufgaben und offene Punkte schriftlich fest. Beziehen Sie Datenschutzverantwortliche rechtzeitig ein. Die Entscheidung sollte außerdem berücksichtigen, wer die Anwendung nach der Einführung betreut und welche einmaligen sowie laufenden Kosten entstehen.
Schritt 5: Die Voraussetzungen für den Betrieb abschließen.
Zu den Gesamtkosten können neben Geräten und Lizenzen auch Montage, Schnittstellen, Schulung und interner Betreuungsaufwand gehören. Der Beitrag zu den Kosten eines Sturzerkennungssystems im Pflegeheim erläutert diese Betrachtung für den entsprechenden Anwendungsfall.
Auch der Umfang des ersten Einsatzes und spätere Erweiterungen beeinflussen die Auswahl. Eine Testphase sollte die Fragen beantworten können, die für Ihre Entscheidung ausschlaggebend sind. Gleichzeitig müssen benötigte Leistungen tatsächlich verfügbar sein. Die folgenden Antworten helfen, den Einstieg abzugrenzen und geplante Funktionen von einer bereits nutzbaren Lösung zu unterscheiden.
Nein. Eine direkte Messwertübertragung oder eine festgelegte Weiterleitung kann ohne KI funktionieren. KI kann beispielsweise bei der Auswertung von Sensordaten eingesetzt werden. Entscheidend ist, welche Aufgabe die Anwendung erfüllt und wie ihre Ergebnisse überprüft werden können. Die Bezeichnung KI allein belegt weder die Eignung für Ihre Einrichtung noch einen geringeren Arbeitsaufwand.
Nein. Der Umfang richtet sich nach der Frage, die Sie in der Testphase beantworten möchten. Einzelne Räume können für bestimmte technische Prüfungen ausreichen. Wenn Sie Veränderungen der Arbeitsorganisation beurteilen möchten, muss der gewählte Bereich diese Abläufe abbilden. Legen Sie vorab fest, welche Schlussfolgerungen die Erprobung ermöglichen soll und wo ihre Aussagekraft begrenzt bleibt.
Bewerten Sie die Anschaffung zunächst anhand der verfügbaren Leistungen. Für eine benötigte Funktion sollten Einsatzumfang, Voraussetzungen und Bereitstellung verbindlich geklärt sein. Eine angekündigte Erweiterung kann für die weitere Planung interessant sein. Sie sollte aber nicht als bereits vorhandene Lösung für einen aktuellen Versorgungsbedarf dargestellt oder in der Erprobung vorausgesetzt werden.
Das hängt von Produkt, Infrastruktur und Vertrag ab. Fragen Sie, welche Erweiterungen zusätzliche Geräte, Schnittstellen oder Lizenzen benötigen. Berücksichtigen Sie auch Schulungen und mögliche Änderungen der Datenverarbeitung. Ein späterer Ausbau ist dann sinnvoll, wenn ein weiterer konkreter Bedarf besteht und die Einrichtung die zusätzlichen Funktionen in ihre Abläufe integrieren kann.
Beginnen Sie mit einer konkreten Situation aus Ihrer Einrichtung. Ordnen Sie ihr die benötigte Unterstützung zu und lassen Sie den vollständigen Ablauf demonstrieren. Prüfen Sie anschließend in der Testphase, welche Arbeit tatsächlich entfällt und welche hinzukommt. So entsteht eine Entscheidung, die sich am Versorgungsbedarf, der vorhandenen Technik und den Erfahrungen Ihres Pflegeteams orientiert.