Das Wichtigste in Kürze:
- Livy Care kombiniert Radar, Computer Vision und Akustik im Rahmen einer Sensorfusion und wertet die Informationen mehrerer Sensortypen gemeinsam aus.
- Die unterschiedlichen Sensortypen liefern Informationen zu Bewegungen, Positionen, Objekten und akustischen Ereignissen.
- Durch die gemeinsame Auswertung kann Livy Care Situationen differenzierter einordnen und prüfen, ob ein konfiguriertes Ereignis wie ein Sturz oder Hilferuf vorliegt.
- Die Erkennung erfolgt passiv im ausgestatteten Raum. Ein Wearable oder selbst ausgelöster Notruf ist nicht erforderlich.
- Sensorfusion garantiert nicht, dass jedes Ereignis erkannt wird. Eine fachgerechte Installation, passende Konfiguration und klare Reaktionsprozesse bleiben entscheidend.
Livy Care, die KI-Raumassistenz der HUM Systems GmbH, erkennt konfigurierte Ereignisse im Raum, darunter Stürze. Das deckenmontierte System wurde für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser entwickelt. Dafür wertet Livy Care Radar, Computer Vision und Akustik im Rahmen einer Sensorfusion gemeinsam aus und alarmiert zuständige Pflegekräfte über angebundene Endgeräte oder Rufsysteme. Die Erkennung erfolgt passiv im Raum, ohne Wearable und ohne selbst ausgelösten Notruf.
Sensorfusion bedeutet bei Livy Care, dass die Informationen mehrerer Sensortypen gemeinsam verarbeitet werden. Radar liefert Bewegungs- und Positionsdaten. Computer Vision unterstützt die Einordnung von Personen, Objekten und räumlichen Situationen. Akustik ergänzt diese Informationen bei konfigurierten Ereignissen wie einem Hilferuf. Die Auswertung verbindet die einzelnen Hinweise zu einer Situation.
Der technische Ablauf lässt sich vereinfacht in fünf Schritte gliedern:
Die Sensorfusion ist damit das technische Funktionsprinzip von Livy Care. Sie ist keine eigenständige Pflegefunktion. Sturzerkennung, Hilferuferkennung sowie Bett- und Raumverlassen sind Funktionen, die auf der gemeinsamen Auswertung der Sensordaten aufbauen.
Livy Care nutzt Radar und Computer Vision, weil beide Technologien unterschiedliche Informationen über eine Situation im Raum liefern. Radar erfasst Bewegung, Entfernung und Position. Computer Vision unterstützt die Unterscheidung von Personen, Objekten und räumlichen Zusammenhängen. Akustik erweitert die Sensorfusion um konfigurierbare akustische Ereignisse.
| Sensortyp | Beitrag zur Auswertung bei Livy Care | Wichtige technische Grenze |
|---|---|---|
| Radar | Erfasst Bewegungen, Entfernungen und Positionsveränderungen kontaktlos | Kann ein erfasstes Objekt allein nicht in jeder Situation eindeutig klassifizieren |
| Computer Vision | Ordnet Personen, Objekte und räumliche Situationen ein | Die Aussagekraft hängt unter anderem von Sichtbereich, Positionierung und Auswertungsmodell ab |
| Akustik | Erkennt konfigurierte akustische Ereignisse wie einen Hilferuf | Hintergrundgeräusche und Raumakustik können die Einordnung beeinflussen |
Radar arbeitet mit ausgesendeten und reflektierten elektromagnetischen Wellen. Aus den zurückkehrenden Signalen lassen sich je nach technischer Ausführung unter anderem Entfernung, Bewegung und relative Geschwindigkeit ableiten. Ein Radar allein kann nicht exakt feststellen, um welches Objekt es sich handelt. Diese Grenze betrifft Radar als einzelne Sensorquelle.
Computer Vision ergänzt den räumlichen Kontext. Die Auswertung kann dadurch einordnen, ob sich eine Person, ein Möbelstück oder ein anderer Gegenstand im erfassten Bereich befindet. Akustik liefert bei einem erkannten Hilferuf einen weiteren Hinweis. Die Kombination kann technische Mehrdeutigkeiten reduzieren, schließt Fehlalarme oder nicht erkannte Ereignisse aber nicht vollständig aus.
Livy Care bewertet nicht nur ein einzelnes Messsignal. Die KI-Auswertung berücksichtigt zusammengehörende Informationen aus Bewegung, Position, räumlichem Kontext und gegebenenfalls Akustik. Dadurch kann Livy Care prüfen, ob die erfassten Merkmale zu einem konfigurierten Ereignis passen. Die genaue Bewertung hängt von der jeweiligen Funktion und Konfiguration ab.
Vereinfacht lässt sich das an einer möglichen Sturzsituation erklären: Radar erfasst eine Bewegung und eine veränderte Position im Raum. Computer Vision unterstützt dabei, eine Person und ihre Lage von Möbeln oder Gegenständen zu unterscheiden. Ruft die Person um Hilfe, kann die Akustik diesen Hilferuf als zusätzliches Ereignis erkennen.
Livy Care führt diese Informationen in der Auswertung zusammen. Liegen die Merkmale eines konfigurierten Sturzereignisses vor, wird eine Meldung ausgelöst. Das Pflegepersonal sieht, in welchem Raum ein Ereignis erkannt wurde, prüft die Situation persönlich und entscheidet über die notwendige Unterstützung.
Eine automatische Erkennung unterscheidet sich damit von einem klassischen Notruf. Die betroffene Person muss keinen Knopf erreichen und das Ereignis nicht selbst melden. Einen Überblick über unterschiedliche technische Ansätze bietet der Beitrag zur "automatischen Sturzerkennung in Pflegeeinrichtungen".
Der praktische Nutzen entsteht aus dem Zusammenspiel von Erkennung und Alarmierung. Livy Care kann ein konfiguriertes Ereignis auch dann melden, wenn die betroffene Person keinen Notruf selbst auslösen kann. Pflegekräfte erhalten einen Hinweis auf einen möglichen Unterstützungsbedarf und können die Situation gezielt vor Ort prüfen.
Für Pflegeeinrichtungen sind vor allem vier Punkte relevant:
Sensorfusion allein entlastet noch keinen Pflegeprozess. Der Nutzen entsteht erst, wenn Konfiguration, Alarmweg und Reaktion zusammenpassen. Pflegekräfte müssen erkennen können, welches Ereignis in welchem Raum gemeldet wurde und wer für die Prüfung zuständig ist. Wie das im Nachtdienst zusammenspielt, zeigt der Beitrag "Wie können digitale Pflegeassistenzsysteme den Nachtdienst entlasten?"
Livy Care erkennt konfigurierte Ereignisse im ausgestatteten Raum und übergibt Meldungen an die vorgesehenen Alarmwege. Die Sensorfusion unterstützt dabei die technische Einordnung der erfassten Situation. Livy Care ergänzt pflegerische und organisatorische Prozesse, übernimmt aber weder die persönliche Prüfung noch die fachliche Entscheidung des zuständigen Personals.
Livy Care kann abhängig von der Konfiguration:
Dabei gelten klare Grenzen:
Livy Care benötigt eine fachgerechte Installation, eine dauerhafte Stromversorgung, eine ausreichende WLAN-Abdeckung sowie einen verlässlichen Alarmweg. Ebenso wichtig sind eine passende Konfiguration und klar geregelte Zuständigkeiten. Einrichtungen sollten außerdem festlegen, wie sie bei technischen Störungen vorgehen und welche Ersatzprozesse dann greifen. Verändern sich Mobilität, Orientierung oder Unterstützungsbedarf einer Person, müssen Konfiguration und Abläufe erneut überprüft werden.
Nein. Sensorfusion bezeichnet die Zusammenführung mehrerer Sensorquellen. Die KI wertet die kombinierten Informationen aus und prüft, ob die Merkmale einer konfigurierten Situation vorliegen. Sensorfusion liefert damit die gemeinsame Datengrundlage. Die KI-Auswertung ordnet die erfassten Informationen einem möglichen Ereignis zu.
Nein. Die Sensortypen übernehmen unterschiedliche Aufgaben und liefern verschiedene Informationen über dieselbe Situation. Radar erfasst unter anderem Bewegung und Position. Computer Vision unterstützt die räumliche Einordnung. Die Sturzerkennung entsteht durch die gemeinsame Auswertung der relevanten Signale und nicht dadurch, dass jeder Sensortyp unabhängig einen vollständigen Sturz erkennt.
Nein. Livy Care wird an der Decke montiert und erkennt konfigurierte Ereignisse passiv im ausgestatteten Raum. Bewohnerinnen und Bewohner oder Patientinnen und Patienten müssen dafür kein Gerät am Körper tragen, aufladen oder bedienen. Auch ein erkannter Sturz muss nicht selbst über einen Notrufknopf gemeldet werden.
Erfassungsbereich, Installation, Raumgestaltung, Konfiguration und Auswertungsmodell beeinflussen das Ergebnis. Auch Sensorfusion kann Fehlalarme oder nicht erkannte Ereignisse nicht vollständig ausschließen. Livy Care ergänzt den Pflegeprozess, ersetzt aber weder persönliche Kontrollen noch die pflegefachliche Einschätzung einer Situation.
Livy Care kombiniert Radar, Computer Vision und Akustik, um konfigurierte Ereignisse im Raum zu erkennen und zuständige Pflegekräfte zu informieren. Die Sensorfusion verbindet Bewegungsdaten, räumlichen Kontext und akustische Hinweise in einer gemeinsamen Auswertung. Ihr praktischer Nutzen hängt von einer passenden Konfiguration, funktionierenden Alarmwegen und klaren Zuständigkeiten ab. Livy Care unterstützt Pflegeprozesse, ersetzt aber weder die persönliche Prüfung noch pflegefachliche Entscheidungen.
🎧 Mehr zur Entwicklung und Funktionsweise erklärt Gründer und CEO von Livy Care, Reza Humanfar, in der #WeCareTech Podcastfolge zur Sensorfusion: