Referenzen: Praxisberichte von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen | Livy Care

Digitalisiertes Pflegeheim: 25 Stunden weniger Kontroll- und Routineaufwand pro Woche und Wohnbereich

Geschrieben von Sonja Imbroglia | Sep 4, 2026, 2:24:19 PM


Das Wichtigste in Kürze

  • Der Aufwand für Kontroll- und Routinetätigkeiten sank in einem Wohnbereich von rund 44 auf 19 Stunden pro Woche.
  • Auch die digitale Erfassung und Dokumentation von Vitalwerten reduzierte den Zeitaufwand.
  • Technische Schwierigkeiten sowie Anforderungen an WLAN und IT-Sicherheit können die Einführung verzögern.
  • Technologie übernimmt definierte Routinen, nicht die pflegerische Einschätzung oder den persönlichen Kontakt.


Im Seniorenzentrum Liebigstraße in Linz wurde im Rahmen des Projekts „Digitales Pflegeheim“ Livy Care in den Pflegealltag integriert. In einem untersuchten Wohnbereich sank der Aufwand für ausgewählte Kontroll- und Routinetätigkeiten daraufhin von rund 44 auf 19 Stunden pro Woche. Das entspricht einer Reduktion um 57 Prozent und einem Zeitpotenzial von 25 Stunden pro Woche. Das Projekt wurde durch die FH Oberösterreich wissenschaftlich begleitet.

 

Wodurch spart Digitalisierung im Pflegeheim konkret Zeit?

Die Entlastung entstand nicht durch schnelleres Arbeiten, sondern durch weniger Kontrollwege, Abstimmungen und manuelle Dokumentationsschritte. Besonders relevant war das im Nachtdienst, in dem einzelne Mitarbeitende zeitweise für bis zu 40 Bewohnerinnen und Bewohner verantwortlich sind.

Livy Care, die KI-Raumassistenz der HUM Systems GmbH, erkennt konfigurierte Ereignisse wie Stürze, Hilferufe oder das Verlassen des Bettes. Die zuständigen Mitarbeitenden erhalten eine Meldung auf ihrem Smartphone und können direkt im Team abstimmen, wer reagiert. Kontrollgänge lassen sich dadurch stärker an konkreten Ereignissen und individuellen Risiken ausrichten.

Auch bei der Erfassung von Vitalwerten verringerte sich der Aufwand deutlich. Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Blutzucker werden mit angebundenen Messgeräten erfasst und über Livy Care automatisch an Connext Vivendi übertragen. Eine interne Praxisauswertung der Seniorenzentren Linz ermittelte dadurch 34 Prozent weniger Zeitaufwand pro Monat. Bei einer Blutdruckmessung einschließlich Dokumentation sank der Aufwand von 12 Minuten und 30 Sekunden auf 5 Minuten und 5 Sekunden.

Die Ergebnisse beschreiben keine pauschale Einsparung von Personalstunden. Sie zeigen, wie viel Zeit bislang durch bestimmte Routinen gebunden war und nun gezielter für konkrete Ereignisse und die Bewohnerinnen und Bewohner eingesetzt werden kann.

Warum starteten die Seniorenzentren Linz das Projekt „Digitales Pflegeheim“?

Die Ausgangslage war aus vielen Pflegeeinrichtungen bekannt: weniger verfügbares Personal, steigende Arbeitsbelastung und gleichzeitig eine hohe Verantwortung für die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Wenn weniger Mitarbeitende mehr Aufgaben bewältigen müssen, wird entscheidend, wie viel ihrer Arbeitszeit bei den Menschen ankommt und wie viel durch Wege, Kontrollen und Dokumentation gebunden ist.

Geschäftsführer Robert Ritter-Kalisch suchte deshalb gezielt nach marktfähigen Technologien, die dem Personal konkrete Aufgaben abnehmen können. Ziel war nicht, möglichst viele digitale Lösungen einzuführen, sondern ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Technik spürbar entlastet.

Für das Projekt wählten die Seniorenzentren Linz bewusst die Liebigstraße, das jüngste und technisch modernste ihrer Einrichtungen. Dort wurden mehrere Anwendungen unter realen Bedingungen erprobt. Neben Livy Care gehörten dazu eine sprachgestützte Pflegedokumentation und Telemedizin.

Von Beginn an war klar, dass subjektiv positives Feedback allein nicht ausreichen würde. Deshalb entschieden sich die Seniorenzentren Linz für eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts durch die FH Oberösterreich. Sie sollte untersuchen, welche Abläufe sich im Pflegealltag tatsächlich verändern. Für die Geschäftsführung waren belastbare Ergebnisse auch gegenüber der Stadt Linz als Eigentümerin, Kostenträgern und weiteren Entscheidungsgremien wichtig.

Wie lief die Einführung ab und was wurde dabei unterschätzt?

Statt alle Anwendungen sofort im gesamten Haus einzuführen, starteten die Seniorenzentren Linz in einem einzelnen Wohnbereich. Nach erfolgreicher Testphase wurden die Anwendungen auf das gesamte Haus ausgeweitet..

Auch das modernste Haus des Trägers war technisch nicht automatisch auf alle Anforderungen vorbereitet. Internetbandbreite und WLAN waren zwar vorhanden, für einen stabilen Betrieb in den Bewohnerzimmern wurden jedoch zusätzliche Acdie cess Points und getrennte Netzwerke benötigt. Auch Datenschutz, IT-Sicherheit und die ein- und ausgehenden Datenverbindungen mussten detaillierter geprüft werden als zunächst erwartet.

Neue Funktionen liefen ebenfalls nicht immer vom ersten Tag an reibungslos. Gerade zu Beginn ist das kritisch, denn wenn eine Anwendung zusätzliche Arbeit verursacht, bevor ihr Nutzen erkennbar wird, leidet die Akzeptanz im Team.

Die Erfahrung aus Linz spricht deshalb für ein schrittweises Vorgehen. Einrichtungen sollten mit einem klar abgegrenzten Anwendungsfall beginnen, die Wirkung prüfen und weitere Funktionen erst ergänzen, wenn der erste Prozess stabil funktioniert.

Vor einer Einführung sollten deshalb mindestens folgende Punkte geklärt werden:

  1. Ist das WLAN in allen vorgesehenen Zimmern stabil verfügbar?
  2. Reicht die Bandbreite für die gleichzeitige Nutzung aller Anwendungen?
  3. Werden getrennte Netzwerke oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen benötigt?
  4. Welche Daten werden verarbeitet und wohin übertragen?
  5. Welche Schnittstellen zu bestehenden Systemen sind erforderlich?
  6. Wer verwaltet Smartphones, Updates und Zugriffsrechte?
  7. Wie sind Support und technische Störungsbearbeitung organisiert?

Die Klärung dieser Fragen kann die Einführung verlängern. Sie ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung für einen stabilen Betrieb und schafft zugleich die Grundlage für weitere Digitalisierungsprojekte.

Welche Aufgaben können Maschinen in der Pflege besser übernehmen als Menschen?

Technologie eignet sich besonders für klar definierte, wiederkehrende und datenbasierte Tätigkeiten. Sie kann Ereignisse erkennen, Messwerte übertragen und Informationen an zuständige Mitarbeitende weitergeben. Die Einschätzung einer Situation, die Entscheidung über notwendige Maßnahmen und die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner bleiben dagegen bei den Pflegekräften.

Geschäftsführer Robert Ritter-Kalisch bringt diese Aufgabenverteilung auf den Punkt:
„Tätigkeiten, die, schlicht gesagt, eine Maschine besser kann als der Mensch, an die Maschine auszulagern, damit das Personal das machen kann, weswegen es einmal diesen Beruf gewählt hat: Kontakt mit Menschen.“

Das übernimmt Livy Care Das bleibt bei den Pflegekräften
Erkennt und meldet konfigurierte Ereignisse wie Stürze, Hilferufe, lange Abwesenheiten sowie das Verlassen des Bettes oder des Raumes Schätzen die Situation ein und übernehmen die notwendige Versorgung
Überträgt Vitalwerte angebundener Messgeräte automatisch an Connext Vivendi Führen die Messung durch, bewerten die Werte und leiten notwendige Maßnahmen ein
Sendet Meldungen an die Smartphones der zuständigen Mitarbeitenden und unterstützt die Abstimmung im Team Entscheiden, wer reagiert und wann eine persönliche Kontrolle erforderlich ist
Liefert zusätzliche Informationen über die Situation im Bewohnerzimmer Übernehmen die pflegerische Einschätzung, Aufsicht und den persönlichen Kontakt

Im Nachtdienst wirkt sich diese Aufgabenverteilung nicht nur auf die Wege der Pflegekräfte aus, sondern auch auf die Nachtruhe der Bewohnerinnen und Bewohner: „Wir haben durch diese Technologie die Möglichkeit, Personen, die schlafen, auch mal schlafen zu lassen und nicht nachzusehen“, erklärt Robert Ritter-Kalisch im #WeCareTech Podcast.

Kontrollgänge werden dadurch aber nicht grundsätzlich überflüssig. Livy Care liefert zusätzliche Informationen, die Entscheidung über den tatsächlichen Unterstützungsbedarf und die notwendigen pflegerischen Maßnahmen bleibt beim Personal.

Wo die Aufgabenübertragung für Robert Ritter-Kalisch endet, macht er  ebenfalls deutlich:
„Ich glaube nicht daran, dass wir Bedarf an etwas haben, das die Kommunikation mit Bewohnerinnen und Bewohnern übernimmt. Das machen wir selbst. Das werden wir nicht ersetzen.“

Was Livy Care leistet und was nicht?

Die KI-Raumassistenz in der stationären Pflege kann konfigurierte Ereignisse erkennen und zuständige Mitarbeitende informieren. Sie unterstützt bedarfsgerechte Kontrollgänge und die automatische Übertragung von Vitalwerten. Sie ist jedoch weder ein Ersatz für Pflegekräfte noch ein Versprechen, dass jede Einrichtung dieselben Zeiteffekte erzielt.

Drei Grenzen sind für eine realistische Bewertung besonders wichtig:

  • Livy Care ist keine nach DIN VDE 0834 zertifizierte Rufanlage. Der Einsatz hängt vom Anwendungsbereich, der Risikoanalyse und dem Betreiberkonzept ab.
  • Die Ergebnisse aus Linz stammen aus einem konkreten Haus mit eigener Ausgangslage. Sie lassen sich nicht pauschal auf andere Einrichtungen übertragen.
  • Die Technologie ersetzt weder die pflegerische Einschätzung noch die Aufsichtspflicht oder den persönlichen Kontakt.

Was zeigt das digitale Pflegeheim in Linz?

Das Projekt in Linz zeigt, woran sich erfolgreiche Digitalisierung im Pflegeheim messen lassen muss: nicht an der Zahl der eingesetzten Systeme, sondern an der spürbaren Veränderung im Arbeitsalltag. Technologie übernimmt klar definierte Routinen, während pflegerische Entscheidungen und der persönliche Kontakt beim Menschen bleiben.

Die gemessene Entlastung ist deshalb kein Versprechen, Personal einzusparen. Sie steht für Arbeitszeit, die in einem Wohnbereich nicht länger durch ausgewählte Kontrollen, Wege und Dokumentationsschritte gebunden war. Für Geschäftsführungen und Einrichtungsleitungen entsteht daraus eine belastbare Grundlage, um über den dauerhaften Einsatz und die Ausweitung einer Technologie zu entscheiden.

Die vollständige Podcastfolge mit Robert Ritter-Kalisch gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.

Im Gespräch geht es auch um die Wirtschaftlichkeit des Projekts: einen Euro pro Bewohnertag, 150.000 Euro Förderung und die Frage, was nach Abzug der Kosten tatsächlich übrig bleibt.

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