Digitalisierung in der Pflege ist kein neues Thema. Seit Jahren wird über Entlastung, Effizienz und moderne Systeme gesprochen. Was jedoch noch immer selten ist, sind Projekte, in denen digitale Lösungen nicht nur getestet, sondern konsequent im Pflegealltag unter realen Bedingungen eingesetzt werden, mit dem Anspruch, langfristig Wirkung zu entfalten. Erst wenn digitale Systeme im laufenden Betrieb genutzt werden, lässt sich beurteilen, welchen Beitrag sie tatsächlich leisten können.
Genau diesen Anspruch verfolgt das aktuelle Projekt im Haus Pflegen & Wohnen Johannasstift in Berlin. Gemeinsam mit der Johannesstift Diakonie wird die KI-Raumassistenz von Livy Care dort im Live-Betrieb eingesetzt. Die Charité begleitet das Projekt wissenschaftlich. Pflegepraxis, Technologie und Forschung sind dabei von Beginn an eng miteinander verzahnt. Im Mittelpunkt steht nicht die Technik an sich, sondern die Frage, wie digitale Unterstützung den Pflegealltag konkret verändern kann.
Erste Effekte zeigen sich bereits, insbesondere im Nachtdienst. Sensorbasierte Informationen helfen dabei, Situationen besser einzuschätzen und gezielter zu reagieren. Routinemäßige Kontrollgänge werden reduziert, während gleichzeitig das Sicherheitsgefühl steigt, sowohl für Pflegekräfte als auch für Bewohnerinnen und Bewohner.
Auch im Bereich der Dokumentation ergeben sich neue Möglichkeiten. Visiten können transparent erfasst werden, Ereignisse werden automatisch protokolliert und in bestehende Systeme übernommen. Durch Schnittstelle zur Pflegedokumentationssoftware Connext Vivendi landen relevante Informationen dort, wo sie im Alltag benötigt werden. Im nächsten Schritt ist vorgesehen, auch Vitalzeichen und Blutzuckerwerte direkt in die Pflegedokumentation zu integrieren. Die Erfassung von Blutzuckerwerten ist in Verbindung mit Libre-3-Sensorpflastern und dem Livy Sensor bereits möglich, die Einbindung in die Dokumentation wird aktuell vorbereitet.
Getragen wird das Vorhaben vor allem vom Engagement des Teams vor Ort. Offenheit für neue Wege, klare Kommunikation und der gemeinsame Wille, Prozesse wirklich zu verändern, prägen die Zusammenarbeit. In Verbindung mit der wissenschaftlichen Begleitung entsteht daraus ein Rahmen, der nicht nur kurzfristige Effekte sichtbar macht, sondern auch belastbare Erkenntnisse für die Weiterentwicklung liefert.
Dieser Ansatz versteht sich nicht als isolierter Test, sondern als Grundlage für etwas Größeres. Digitalisierung in der Pflege entfaltet ihren vollen Mehrwert dort, wo sie gemeinsam gestaltet, wissenschaftlich fundiert und mit Blick auf Skalierbarkeit umgesetzt wird. Dieses Vorhaben ist kein Abschluss, sondern ein Anfang.
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