Sturzerkennung im betreuten Wohnen: Hausnotruf-Alternativen 2026
Zuletzt aktualisiert: 6. August 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Klassische Hausnotrufe setzen meist einen Knopfdruck voraus. Automatische Sturzerkennung kann ohne aktive Auslösung alarmieren.
- Wearables funktionieren teilweise auch unterwegs, müssen aber getragen und geladen werden.
- KI-Raumassistenz erkennt definierte Ereignisse passiv im Raum und benötigt kein Wearable.
- Bei einer betreiberseitigen Einführung finanziert zunächst der Betreiber die technische Ausstattung.
- Fördermöglichkeiten sind programmabhängig und sollten vor der Investitionsentscheidung individuell geprüft werden.
Für betreutes Wohnen eignen sich automatische Sturzerkennungssysteme als Hausnotruf-Alternative, wenn Bewohnerinnen und Bewohner einen Notruf nicht zuverlässig selbst auslösen können. Livy Care, die KI-Raumassistenz der HUM Systems GmbH, erkennt Stürze, Hilferufe sowie individuell konfigurierte Ereignisse wie Bett- und Raumverlassen und alarmiert zuständige Pflegekräfte über angebundene Endgeräte oder Rufsysteme. Die Erkennung erfolgt passiv im Raum, sodass Bewohnerinnen und Bewohner kein Wearable tragen und keinen Notruf selbst auslösen müssen.
Warum reicht ein klassischer Hausnotruf nicht immer aus?
Ein klassischer Hausnotruf eignet sich für Personen, die einen Funksender zuverlässig tragen und im Notfall selbst auslösen können. Nach einem Sturz kann der Sender jedoch außer Reichweite liegen oder die betroffene Person bewusstlos, desorientiert oder bewegungsunfähig sein.
Ein klassisches Hausnotrufsystem besteht aus einem Basisgerät und einem tragbaren Funksender. Wird der Sender betätigt, stellt das System eine Verbindung zu einer besetzten Hausnotrufzentrale her.
Wie wichtig die konsequente Nutzung des Senders ist, zeigt eine Befragung zur Nutzung von Hausnotrufsystemen von Heinbüchner et al. (2010):
Von 52 zu Hause lebenden Hausnotrufkundinnen und Hausnotrufkunden gaben 24 Prozent an, den Notrufsender nie zu tragen. Nur 14 Prozent trugen ihn rund um die Uhr.
Noch deutlicher zeigt sich die Einschränkung bei tatsächlichen Stürzen:
Von den Befragten, die allein stürzten und länger als fünf Minuten am Boden lagen, lösten 83 Prozent den Hausnotruf nicht aus. Das entsprach elf Personen. Aufgrund der kleinen Teilgruppe ist dieser Wert vorsichtig einzuordnen. Die Ergebnisse zeigen dennoch, dass die Schutzwirkung eines klassischen Hausnotrufs davon abhängt, ob der Sender getragen, erreichbar und im Notfall bewusst ausgelöst werden kann.
Automatische Sturzerkennung ergänzt dieses Prinzip. Sie kann definierte Ereignisse erkennen und eine Alarmierung auslösen, ohne dass Bewohnerinnen und Bewohner selbst handeln müssen.
Eine ausführliche Einordnung bietet der Beitrag
👉 Was ist automatische Sturzerkennung in Pflegeeinrichtungen?
Wie funktionieren verschiedene Hausnotruf-Alternativen?
Hausnotruf-Alternativen unterscheiden sich durch den Ort der Erkennung, die Mitwirkung und den Funktionsumfang. Tragbare Systeme begleiten die Person auch außerhalb der Wohnung. Raumbezogene Lösungen benötigen kein Gerät am Körper, funktionieren jedoch nur in den ausgestatteten Bereichen.
| Lösung | Funktionsweise | Vorteile | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Klassischer Hausnotruf | Bewohnerinnen und Bewohner lösen über einen Funksender selbst einen Alarm aus. | Etablierte Technik, leicht verständlich, mit direkter Verbindung zu einer Notrufzentrale | Aktive Auslösung erforderlich |
| Wearable mit Sturzerkennung | Tragbare Sensoren (Armband, Anhänger) analysieren Beschleunigung und Bewegungsabläufe. | Mobile Nutzung möglich (je nach Produkt außerhalb der Wohnung einsetzbar) |
Muss getragen und geladen werden. |
| Radarbasierter Raumsensor | Radarsignale erfassen Bewegungs- und Positionsveränderungen passiv innerhalb eines Raumes. | Kein Wearable erforderlich, automatische Erkennung innerhalb des Raumes | Nur in ausgestatteten Räumen wirksam, Funktionsumfang unterscheidet sich je nach Produkt |
| KI-Raumassistenz | Informationen verschiedener Sensorquellen werden gemeinsam ausgewertet. Definierte Ereignisse lösen automatisch eine Alarmierung aus. | Kein Wearable notwendig, mehrere Ereignisarten möglich, Alarmwege individuell konfigurierbar |
Eine Sturzerkennung ist ebenfalls nur in ausgestatteten Räumen möglich. |
Radarbasierte Sensorik und KI-Raumassistenz sind keine vollständig getrennten Kategorien.
KI-Raumassistenz nutzt Radar als eine von mehreren technischen Komponenten.
Welche Lösung passt zu welcher Wohnsituation?
Die passende Lösung hängt vom Bewegungsradius und vom Sturzrisiko ab. Für mobile und weitgehend selbstständige Personen kann ein tragbarer Hausnotruf sinnvoll sein. Bei kognitiven oder körperlichen Einschränkungen bietet eine automatische, raumbezogene Erkennung zusätzliche Unterstützung.
Ein klassischer Hausnotruf eignet sich, wenn:
- ein Funksender zuverlässig getragen wird
- Bewohnerinnen und Bewohner einen Notruf selbst auslösen können
- eine direkte Verbindung zur Notrufzentrale benötigt wird
Ein Wearable eignet sich, wenn:
- Schutz außerhalb der Wohnung erforderlich ist
- das Gerät zuverlässig getragen und geladen wird
- mobile Ortungs- oder Kommunikationsfunktionen benötigt werden
Eine raumbezogene Sturzerkennung eignet sich, wenn:
- Bewohnerinnen und Bewohner kein Gerät tragen möchten oder können
- eine aktive Notrufauslösung nicht zuverlässig möglich ist
- kritische Situationen innerhalb der Wohnung automatisch erkannt werden sollen
- die Alarmierung direkt an festgelegte Ansprechpersonen erfolgen soll
Eine KI-Raumassistenz eignet sich, wenn:
- alle Funktionen einer raumbezogenen Sturzerkennung benötigt werden
- neben Stürzen weitere Ereignisse wie Hilferufe sowie Bett- und Raumverlassen erkannt werden sollen
- Alarmwege an das Betreuungskonzept angepasst und in bestehende Pflegeprozesse integriert werden sollen
Livy Care kann je nach Konfiguration optional um weitere Funktionen und Anbindungen ergänzt werden, wenn:
- eine Gegensprechfunktion benötigt wird
- eine externe Notrufzentrale angebunden werden soll
- Angehörige in die Alarmierung eingebunden werden sollen
- die Glukosewerte kompatibler Sensoren kontinuierlich ausgelesen und an festgelegte Empfänger weitergeleitet werden sollen
Weitere Auswahlkriterien erläutert der Leitfaden
👉 Digitale Pflegeassistenzsysteme 2026 richtig wählen.
Was leistet Livy Care und was nicht?
Livy Care erkennt definierte Ereignisse innerhalb ausgestatteter Räume und alarmiert festgelegte Alarmempfänger. Innerhalb dieser Räume kann Livy Care Funktionen eines klassischen Hausnotrufs übernehmen. Ob damit eine vertraglich zugesagte Hausnotrufleistung vollständig abgedeckt ist, hängt vom vereinbarten Leistungsumfang, den Alarmwegen und den geltenden rechtlichen Vorgaben ab. Livy Care ersetzt keine pflegerische Einschätzung und bietet außerhalb der ausgestatteten Räume keinen automatischen Schutz.
Livy Care kann je nach Konfiguration:
- Stürze erkennen
- akustische Hilferufe erkennen
- Bett- und Raumverlassen melden
- individuell konfigurierte Ereignisse erfassen
- eine Gegensprechfunktion bereitstellen
- Alarme an angebundene Endgeräte oder Rufsysteme senden
Voraussetzungen und Grenzen:
- Livy Care muss in relevanten Räumen deckenmontiert werden
- Für den Betrieb werden dauerhafte Stromversorgung und Internetanbindung benötigt
- Livy Care erkennt Sturzereignisse nur innerhalb der ausgestatteten Räume
- Für den Schutz außerhalb der Wohnung ist eine zusätzliche mobile Lösung erforderlich
- Funktionen und Alarmwege müssen passend zum Betreuungskonzept konfiguriert werden
- Livy Care ersetzt keine pflegerische Einschätzung und keine Aufsichtspflicht
Die Funktionen für betreute Wohnangebote sind auf der Seite KI-Raumassistenz im betreuten Wohnen zusammengefasst.
Wie wird der Datenschutz im privaten Wohnraum berücksichtigt?
Beim Einsatz von Sensorik im betreuten Wohnen müssen Privatsphäre, Transparenz und Unterstützungsbedarf gemeinsam betrachtet werden. Betreiber sollten vor der Einführung festlegen, welche Ereignisse erkannt und an welche Personen Alarme weitergeleitet werden.
Bewohnerinnen und Bewohner müssen vor dem Einsatz verständlich über Funktionen, Datenverarbeitung und die Alarmempfänger informiert werden. Angehörige oder rechtliche Vertretungen können frühzeitig einbezogen werden, sofern Bewohnerinnen und Bewohner dies wünschen oder eine Vertretungsbefugnis besteht.
Für Betreiber sind insbesondere folgende Punkte wichtig:
- Rechtsgrundlage und erforderliche Einwilligungen klären
- nur benötigte Funktionen aktivieren
- Zugriffsrechte und Alarmempfänger festlegen
- Angehörige mit Zustimmung oder entsprechender Vertretungsbefugnis einbinden
Welche Kosten entstehen für Sturzerkennung im betreuten Wohnen?
Die Kosten einer Sturzerkennung umfassen Hardware, Installation, laufenden Service, technische Anbindungen und die Bearbeitung von Alarmen. Ein Vergleich ist nur aussagekräftig, wenn Betreiber den Funktionsumfang und alle einmaligen sowie laufenden Kosten über denselben Zeitraum betrachten. Einheitliche Marktpreise für automatische Sturzerkennung gibt es nicht.
| Kostenbereich | Typische Bestandteile | Konkrete Einordnung |
|---|---|---|
| Hardware | Basisgerät, Sensor oder Wearable | Je nach Lösung einmaliger Kauf, Miete oder Bereitstellung im Rahmen eines Servicevertrags |
| Installation | Montage, technische Einrichtung und Konfiguration | Abhängig von der Anzahl der Räume, der Montage und der vorhandenen Infrastruktur |
| Laufender Betrieb | Servicevertrag, Software, Mobilfunk oder Internetanbindung | Stand August 2026 beträgt die vertragliche Vergütungspauschale für eine genehmigte Hausnotruf-Grundversorgung 27 Euro netto pro Monat, zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer, sofern diese anfällt. |
| Alarmierung | Endgeräte, Rufsystem, App oder externe Notrufzentrale | Eine externe Notrufzentrale oder zusätzliche Endgeräte können weitere laufende Kosten verursachen |
| Integration | Anbindung an Rufanlagen und Pflegeprozesse | Abhängig von vorhandenen Schnittstellen und dem technischen Anpassungsbedarf |
| Wartung und Support | Aktualisierungen, technischer Support und Geräteaustausch | Je nach Anbieter im Servicevertrag enthalten oder separat berechnet |
| Einführung | Schulung, Datenschutzprüfung und Festlegung der Alarmwege | Abhängig vom Projektumfang und von der Zahl der beteiligten Personen |
Nach bisherigen Erfahrungen kann Livy Care in Einzelfällen im Rahmen einer genehmigten Hausnotrufversorgung berücksichtigt werden. Ob und in welchem Umfang die Pauschale übernommen wird, prüft die zuständige Pflegekasse für die konkrete Versorgung. Zusätzliche Funktionen können über den Umfang der genehmigten Grundversorgung hinausgehen.
Ein klassischer Hausnotruf verursacht in der Regel geringere zusätzliche Kosten, wenn die Grundversorgung vollständig über die Pflegekasse finanziert wird. Eine KI-Raumassistenz kann darüber hinaus weitere Funktionen wie automatische Sturzerkennung, Hilferuferkennung und individuell konfigurierte Ereignisse abdecken.
Welche Kosten beim Betreiber oder bei den Bewohnerinnen und Bewohnern verbleiben, hängt deshalb auch davon ab, welche Leistungen von der Pflegekasse bewilligt und welche zusätzlichen Funktionen separat vereinbart werden.
Wer trägt die Kosten im betreuten Wohnen?
Bei einer betreiberseitigen Einführung beschafft zunächst der Betreiber die technische Ausstattung. Abhängig vom Wohn- und Vertragsmodell kann der Betreiber die Kosten selbst tragen, in ein bestehendes Serviceangebot einrechnen oder die Technik als freiwillige Zusatzleistung anbieten.
Finanzierung als Teil der Grundausstattung
Der Betreiber trägt die Kosten und betrachtet die KI-Raumassistenz als Bestandteil des Sicherheits- und Wohnkonzepts.
Integration in eine Servicepauschale
Die technische Ausstattung wird in ein bestehendes Paket aus Grund- oder Betreuungsleistungen aufgenommen. Die Kosten fließen in die Kalkulation der Servicepauschale ein.
Freiwillige Zusatzleistung
Bewohnerinnen und Bewohner können die Ausstattung abhängig vom persönlichen Unterstützungsbedarf hinzubuchen.
Kombiniertes Modell
Der Betreiber finanziert beispielsweise Hardware und Installation. Zusätzliche Leistungen wie eine externe Notrufzentrale werden separat berechnet.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung ab. Zusätzliche Leistungen können je nach Wohn- und Vertragsmodell separat angeboten oder in eine Servicepauschale integriert werden. Leistungsumfang und Kosten müssen transparent ausgewiesen und rechtlich geprüft werden.
Welche finanzielle Förderung kann genutzt werden?
Für Sturzerkennung im betreuten Wohnen gibt es keinen allgemeinen Förderweg. Fördermöglichkeiten hängen vom Bundesland, von der Rechtsform, vom Investitionszweck und vom Zeitpunkt des Vorhabens ab. Betreiber sollten deshalb jedes Programm auf Fördergegenstand und -frist prüfen.
Welche konkreten Förderprogramme kommen infrage?
Die folgenden Programme zeigen beispielhaft, welche Förderwege 2026 bestehen.
Ob KI-Raumassistenz konkret förderfähig ist, entscheidet die zuständige Förderstelle.
- Bundesweite Digitalisierungsförderung nach § 8 Absatz 8 SGB XI:
Zugelassene ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen können einen einmaligen Zuschuss von bis zu 40 Prozent der anerkannten Investitionskosten erhalten. Der Höchstbetrag liegt bei 12.000 Euro je Einrichtung. Förderfähig sind digitale oder technische Anschaffungen, die unter anderem Pflegekräfte entlasten, Arbeitsabläufe verbessern oder die pflegerische Versorgung unterstützen. Regelmäßige Service- und Wartungskosten sind nicht förderfähig. Der Antrag kann bis zum 31. Dezember 2030 bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden. - 100-Prozent-WLAN-Strategie in Bayern:
Zugelassene bayerische Pflegeeinrichtungen können ergänzend zur Förderung nach § 8 Absatz 8 SGB XI weitere 40 Prozent der nachgewiesenen Kosten erhalten. Dadurch kann die Gesamtförderung beider Programme bis zu 24.000 Euro je Einrichtung betragen. Voraussetzung ist die Nutzung der Bundesförderung. Anträge werden beim Bayerischen Landesamt für Pflege eingereicht. Das Programm läuft nach aktuellem Stand bis Ende 2027. - Stärkung der ambulanten Pflege im ländlichen Raum in Niedersachsen:
Das Programm richtet sich an ambulante Pflegedienste mit Versorgungsvertrag, die überwiegend Menschen in ländlichen Regionen versorgen. Förderfähig können unter anderem KI-basierte Systeme und technische Lösungen zur Unterstützung der Pflege sein. Die Förderung ist auf 40.000 Euro je Pflegedienst und Kalenderjahr begrenzt. Antragstellende müssen mindestens zehn Prozent der geplanten Ausgaben selbst tragen. Der Antrag wird beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie gestellt.
Betreiber reiner betreuter Wohnangebote ohne Zulassung als Pflegeeinrichtung sind bei diesen Programmen nicht automatisch antragsberechtigt. Betreiber sollten prüfen, ob ein zugelassener Pflegebereich des Trägers oder ein kooperierender ambulanter Pflegedienst für das jeweilige Programm antragsberechtigt ist.
Die Förderdatenbank des Bundes bündelt weitere Programme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union. Betreiber können dort unter anderem nach Bundesland, Fördergebiet und Förderberechtigung filtern.
Eine Förderung sollte nicht als sichere Grundlage der Wirtschaftlichkeitsrechnung eingeplant werden. Förderstellen prüfen jeden Antrag individuell. Auch der zulässige Projektbeginn unterscheidet sich je nach Programm. Betreiber sollten deshalb vor einer Bestellung klären, ob bereits ein Antrag oder ein Bewilligungsbescheid erforderlich ist.
Welche Rolle spielt die Pflegekasse beim Hausnotruf?
Der klassische Hausnotruf ist im Pflegehilfsmittelverzeichnis erfasst. Nach Genehmigung durch die Pflegekasse erhalten Versicherte grundsätzlich eine mehrkostenfreie Grundversorgung. Zusätzliche Funktionen oder Leistungen, die über den Leistungsumfang der Pflegekasse hinausgehen, können auf eigenen Wunsch privat finanziert werden.
Für Betreiber ist diese Unterscheidung bei der Gestaltung einer freiwilligen Zusatzleistung wichtig. Eine bereits von der Pflegekasse finanzierte Grundversorgung sollte klar von den zusätzlichen Leistungen einer KI-Raumassistenz getrennt werden.
Wie lässt sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis bewerten?
Ein realistisches Kosten-Nutzen-Verhältnis berücksichtigt den gesamten Betriebszeitraum und den tatsächlich benötigten Funktionsumfang. Neben Anschaffung und Service sollten Betreiber prüfen, welche Risiken erfasst werden, wie zuverlässig die Lösung im Alltag genutzt wird und welchen organisatorischen Aufwand Alarme und technische Betreuung verursachen.
Folgende Fragen helfen bei der Bewertung:
- Welche Situationen soll das System erkennen?
- Muss die Person ein Gerät tragen oder bedienen?
- Welche Räume müssen ausgestattet werden?
- Welche einmaligen und laufenden Kosten entstehen?
- Wer erhält und bearbeitet einen Alarm?
- Werden zusätzliche Endgeräte oder Rufsysteme benötigt?
- Wie häufig entstehen nicht relevante Meldungen?
- Können bestehende Systeme weiterverwendet werden?
- Lässt sich die Lösung später auf weitere Wohnungen ausweiten?
- Werden mehrere Einzellösungen durch ein System ersetzt?
Die günstigste Anschaffung bietet nicht automatisch das günstigste Kosten-Nutzen-Verhältnis. Eine technisch einfache Lösung kann zusätzliche Prozesse oder Geräte erforderlich machen.
Umgekehrt ist ein größerer Funktionsumfang nur dann wirtschaftlich, wenn die Funktionen im konkreten Wohnangebot benötigt und genutzt werden.
Checkliste für Betreiber
Vor der Entscheidung sollten Betreiber Anforderungen, Bewohnergruppen, Alarmwege und Finanzierung schriftlich festhalten. Die Technik sollte nicht isoliert ausgewählt werden. Entscheidend ist, ob sie zum Wohnkonzept, zu den vorhandenen Zuständigkeiten und zur technischen Infrastruktur passt.
-
Bewohnergruppen und Unterstützungsbedarf festgelegt
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Relevante Räume und Risikosituationen bestimmt
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Aktive oder automatische Alarmierung ausgewählt
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Einsatz innerhalb und außerhalb der Wohnung berücksichtigt
-
Verantwortliche Alarmempfänger benannt
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Eskalationswege für Tag und Nacht definiert
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Technische Voraussetzungen geprüft
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Datenschutz und Einwilligungen geklärt
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Einmalige und laufende Kosten vollständig erfasst
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Service- oder Zusatzleistungsmodell geprüft
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Förderprogramme vor Projektbeginn recherchiert
-
Testphase und Bewertungskriterien vereinbart
FAQ
Häufige Fragen
Ist automatische Sturzerkennung dasselbe wie ein Hausnotruf?
Nein. Ein klassischer Hausnotruf leitet meist einen bewusst ausgelösten Alarm weiter. Eine automatische Sturzerkennung analysiert Bewegungs- oder Positionsinformationen und kann ein erkanntes Ereignis selbstständig melden. Beide Ansätze können miteinander kombiniert werden. Welche Lösung geeignet ist, hängt von der Fähigkeit zur aktiven Auslösung und vom gewünschten Schutzbereich ab.
Kann Livy Care einen klassischen Hausnotruf ersetzen?
Livy Care kann innerhalb ausgestatteter Räume die Funktionen eines klassischen Hausnotrufs übernehmen und um automatische Sturzerkennung, Hilferuferkennung sowie weitere konfigurierbare Ereignisse ergänzen. Ob Livy Care zugleich eine vertraglich zugesagte Hausnotrufleistung vollständig abdeckt, hängt vom vereinbarten Leistungsumfang, den Alarmwegen und den geltenden rechtlichen Vorgaben ab.
Funktioniert Livy Care auch außerhalb der Wohnung?
Nein. Livy Care erkennt definierte Ereignisse innerhalb der Räume. Für Wege außerhalb des Gebäudes können Betreiber oder Bewohnerinnen und Bewohner ein Wearable oder einen mobilen Hausnotruf als ergänzende Lösung prüfen.
Wie viele Räume müssen mit Sturzerkennung ausgestattet werden?
Die notwendige Ausstattung hängt von der Wohnsituation und den relevanten Risikobereichen ab. Betreiber sollten zunächst prüfen, in welchen Räumen sich Bewohnerinnen und Bewohner häufig aufhalten und wo kritische Situationen auftreten. Die Planung sollte deshalb individuell erfolgen.
Können Bewohnerinnen und Bewohner die Raumassistenz als Zusatzleistung buchen?
Das kann je nach Wohn- und Vertragsmodell möglich sein. Betreiber können die Technik vollständig finanzieren, in eine Servicepauschale integrieren oder als freiwillige Zusatzleistung anbieten. Entscheidend ist, dass Leistungsumfang, Kosten und Kündigungsbedingungen transparent beschrieben werden.
Fazit
Hausnotruf-Alternativen im betreuten Wohnen unterscheiden sich vor allem durch die notwendige Mitwirkung und den Schutzbereich. Klassische Hausnotrufe und Wearables eignen sich für Personen, die einen Sender zuverlässig nutzen. Raumbezogene Sturzerkennung funktioniert ohne Gerät am Körper. Livy Care erkennt definierte Ereignisse passiv in ausgestatteten Räumen und kann verschiedene Alarmwege unterstützen.
Betreiber sollten neben den technischen Funktionen auch Installation, laufende Kosten, Vertragsmodell und mögliche Förderung prüfen. Eine Testphase mit klaren Bewertungskriterien schafft eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
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