Liegetrauma und Demenz: Schnellere Hilfe dank KI-Sturzerkennung
Das Wichtigste in Kürze
- Sensormatten reagieren auf Druck und melden, wenn eine Person die Matte betritt.
- Sie eignen sich besonders für klar abgegrenzte Situationen, etwa zur Meldung des nächtlichen Aufstehens.
- Eine Sensormatte erkennt in der Regel nicht, ob eine Person tatsächlich gestürzt ist.
- Livy Care erkennt konfigurierte Ereignisse im Raum und ist nicht an eine einzelne Stelle auf dem Boden gebunden.
- Neben Stürzen können abhängig von der Konfiguration auch Hilferufe sowie Bett- oder Raumverlassen erkannt werden.
- Die passende Lösung hängt vom Einsatzziel, der Risikosituation und den Abläufen der Einrichtung ab.
Bleibt ein Mensch nach einem Sturz längere Zeit unbemerkt am Boden liegen, können zusätzlich zur eigentlichen Sturzverletzung weitere gesundheitliche Komplikationen entstehen. Bei Menschen mit Demenz kann dieses Risiko besonders relevant sein. Sie können eine Situation möglicherweise nicht richtig einordnen, keinen Hilferuf auslösen oder dem Pflegepersonal nicht mitteilen, wo sie sich befinden.
Eine automatische Sturzerkennung kann keinen Sturz sicher verhindern oder vorhersagen. Sie kann jedoch konfigurierte Sturzereignisse erkennen und eine Meldung auslösen. Dadurch kann das Pflegepersonal schneller auf die Situation aufmerksam werden und die Dauer des unbemerkten Liegens möglicherweise verkürzen.
Was ist ein Liegetrauma?
Als Liegetrauma werden gesundheitliche Folgen bezeichnet, die entstehen können, wenn eine Person nach einem Sturz oder einem anderen akuten Ereignis längere Zeit unbeabsichtigt am Boden liegt und nicht selbstständig aufstehen kann.
In der internationalen Forschung wird dafür häufig der Begriff „Long Lie“ verwendet. Eine einheitliche zeitliche Grenze gibt es allerdings nicht. Manche Veröffentlichungen sprechen bereits nach einer Stunde von einem langen Liegen, andere verwenden längere Zeiträume. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Anzahl der Stunden, sondern auch der Gesundheitszustand der Person, die erlittenen Verletzungen und die Umgebung, in der sie liegt. Darauf weist eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zum Begriff „Long Lie“ hin.
Ein Liegetrauma ist vom eigentlichen Sturz zu unterscheiden. Eine Person kann sich beim Sturz verletzen und zusätzlich durch das anschließende lange Liegen gesundheitliche Schäden erleiden. Umgekehrt kann langes Liegen auch nach anderen Ereignissen auftreten, etwa nach einem Kreislaufproblem oder einer akuten Erkrankung.
Welche gesundheitlichen Folgen kann langes Liegen haben?
Wie schwer die Folgen sind, hängt unter anderem von der Dauer des Liegens, der Raumtemperatur, bestehenden Erkrankungen, der Flüssigkeitsversorgung und möglichen Sturzverletzungen ab.
Mögliche Komplikationen sind:
- Unterkühlung
- Flüssigkeitsmangel
- Druckschäden an Haut und Gewebe
- Schmerzen und Bewegungseinschränkungen
- Muskelabbau und Muskelschädigungen
- Kreislaufprobleme
- eine Verschlechterung bestehender Erkrankungen
- psychische Folgen wie Angst vor weiteren Stürzen
Längere Druckbelastung und Bewegungslosigkeit können insbesondere bei älteren oder gesundheitlich geschwächten Menschen zusätzliche Komplikationen verursachen. Eine medizinische Übersichtsarbeit beschreibt unter anderem Druckschäden und Veränderungen bestimmter Muskelwerte als mögliche Hinweise auf langes Liegen nach einem Sturz. Die konkreten Folgen müssen jedoch immer individuell medizinisch beurteilt werden.
Übersicht zu den Folgen und Behandlungsmöglichkeiten nach langem Liegen
Auch wenn äußerlich keine schwere Verletzung erkennbar ist, kann nach einem Sturz eine medizinische Abklärung erforderlich sein. Automatische Sturzerkennung kann diese Beurteilung nicht übernehmen. Sie kann lediglich dazu beitragen, dass das Ereignis schneller bemerkt wird.
Warum kann das Risiko bei Menschen mit Demenz erhöht sein?
Menschen mit Demenz sind keine einheitliche Risikogruppe. Mobilität, Orientierung und Unterstützungsbedarf unterscheiden sich von Person zu Person. Dennoch können bestimmte Veränderungen das Risiko eines Sturzes oder langen unbemerkten Liegens erhöhen.
Dazu können gehören:
- Veränderungen von Gangbild und Gleichgewicht
- Schwierigkeiten bei der räumlichen Orientierung
- eingeschränkte Aufmerksamkeit
- eine veränderte Einschätzung von Gefahren
- nächtliche Unruhe oder eine ausgeprägte Lauftendenz
- Schwierigkeiten, einen Notrufknopf zu finden oder zu bedienen
- eingeschränkte Möglichkeiten, nach einem Sturz Hilfe zu rufen
- fehlende Erinnerung an ein bereits geschehenes Sturzereignis
Eine große Beobachtungsstudie mit älteren Menschen in Wales fand bei Personen mit Demenz eine höhere Wahrscheinlichkeit für sturzbedingte Behandlungen in einer Notaufnahme oder einem Krankenhaus. Solche Ergebnisse beschreiben einen statistischen Zusammenhang, ersetzen aber nicht die individuelle Risikoeinschätzung in der Pflegeeinrichtung.
Studie zu Stürzen, Demenz und Gebrechlichkeit
Gerade nach einem nächtlichen Sturz kann es vorkommen, dass ein Mensch mit Demenz die Situation nicht richtig einordnet. Die Person ruft möglicherweise nicht um Hilfe, versucht wiederholt allein aufzustehen oder bleibt am Boden liegen. Ein klassischer Notrufknopf hilft in dieser Situation nur, wenn er erreichbar ist und bewusst ausgelöst werden kann.
Wie unterstützt KI-Sturzerkennung eine schnellere Reaktion?
KI-basierte Sturzerkennungssysteme werten Sensorsignale aus, um konfigurierte Sturzereignisse zu erkennen und eine Meldung auszulösen. Sie suchen nicht nach Vorzeichen eines drohenden Sturzes und sagen keine zukünftigen Ereignisse voraus.
Eine typische Alarmkette besteht aus mehreren Schritten:
- Das System erkennt ein als Sturz konfiguriertes Ereignis.
- Es löst automatisch eine Meldung aus.
- Die Meldung wird an den festgelegten Alarmweg übergeben.
- Eine zuständige Pflegekraft prüft die Situation.
- Die erforderliche Unterstützung oder medizinische Hilfe wird eingeleitet.
Der zentrale Unterschied zu einem aktiv auszulösenden Notruf besteht darin, dass die gestürzte Person nicht selbst einen Knopf drücken oder um Hilfe rufen muss.
Livy Care für die stationäre Pflege kombiniert Radar, Computer Vision und Akustik im Rahmen einer Sensorfusion. Die Informationen unterschiedlicher Sensortypen werden gemeinsam ausgewertet, um konfigurierte Ereignisse wie Stürze oder Hilferufe zu erkennen und an die vorgesehenen Alarmierungswege zu übergeben.
Ob daraus tatsächlich eine schnellere Hilfe entsteht, hängt nicht nur von der Erkennung ab. Ebenso wichtig sind eine funktionierende technische Anbindung, eindeutig geregelte Zuständigkeiten und ein klarer Reaktionsprozess innerhalb der Einrichtung.
Welche Rolle spielen Bett- und Raumverlassen?
Neben einem erkannten Sturz können abhängig vom System weitere Ereignisse konfiguriert werden. Livy Care kann das Pflegepersonal beispielsweise darüber informieren, dass eine Person das Bett oder den Raum verlassen hat. Dabei handelt es sich nicht um eine Sturzvorhersage. Die Meldung zeigt lediglich an, dass ein zuvor festgelegtes Ereignis eingetreten ist.
Ob das Verlassen des Bettes eine pflegerische Reaktion erfordert, hängt von der individuellen Situation ab. Bei einer mobilen Bewohnerin kann das nächtliche Aufstehen unproblematisch sein. Bei einer anderen Person kann aufgrund eines bekannten Sturzrisikos eine zeitnahe Prüfung sinnvoll sein.
Pflegeeinrichtungen sollten deshalb individuell festlegen:
- Bei welchen Personen ist die Funktion fachlich begründet?
- Zu welchen Zeiten soll sie aktiv sein?
- Wer erhält die Meldung?
- Welche Reaktion ist vorgesehen?
- Wann wird die Konfiguration erneut überprüft?
Die Funktion ersetzt keine individuelle Sturzprophylaxe. Sie kann zusätzliche Informationen liefern, auf deren Grundlage das Pflegepersonal die Situation beurteilt. Welche pflegerischen und organisatorischen Maßnahmen darüber hinaus wichtig sind, zeigt der Überblick zur Sturzprophylaxe im Pflegeheim.
Was kann automatische Sturzerkennung nicht leisten?
Automatische Sturzerkennung kann die Alarmierung nach einem erkannten Ereignis unterstützen. Daraus ergibt sich jedoch keine Garantie, dass jeder Sturz erkannt oder jede gesundheitliche Folge verhindert wird.
Ein Sturzerkennungssystem kann insbesondere nicht:
- einen Sturz sicher vorhersagen
- jedes Sturzereignis unter allen Bedingungen erkennen
- Verletzungen diagnostizieren
- den Gesundheitszustand der gestürzten Person beurteilen
- pflegefachliche Kontrollen ersetzen
- eine schnelle Reaktion garantieren
- die individuelle Sturzprophylaxe ersetzen
- alle Liegetraumata verhindern
Diese Grenzen sind für die Auswahl und Einführung entscheidend. Ein System sollte nicht ausschließlich nach seiner Funktionsliste beurteilt werden. Ebenso relevant sind Erkennungsbereich, Konfiguration, Alarmierung, technische Ausfallsicherheit und die Einbindung in bestehende Arbeitsabläufe.
Was müssen Pflegeeinrichtungen organisatorisch klären?
Eine automatische Meldung ist nur ein Teil der Reaktionskette. Vor der Einführung sollten Pflegeeinrichtungen festlegen, was nach einer Sturzmeldung geschieht.
Zuständigkeit
Es muss eindeutig geregelt sein, welche Person oder Rolle eine Meldung erhält und wer die Situation überprüft.
Alarmweg
Die Meldung muss über einen im Pflegealltag erreichbaren und verlässlichen Alarmweg ankommen. Je nach Einrichtung kann dies beispielsweise über eine bestehende Rufanlage, ein mobiles Endgerät oder eine Desktop-Anwendung erfolgen.
Priorisierung
Sturzmeldungen müssen von anderen Ereignissen unterscheidbar sein. Das Pflegepersonal sollte erkennen können, welche Art von Ereignis gemeldet wurde und welche Reaktion vorgesehen ist.
Reaktionsprozess
Die Einrichtung sollte definieren, wie eine gestürzte Person angesprochen, beurteilt und unterstützt wird. Dazu gehört auch, wann medizinische Hilfe hinzuzuziehen ist.
Individuelle Konfiguration
Nicht jede Funktion ist für jede Bewohnerin und jeden Bewohner sinnvoll. Konfigurationen sollten zur aktuellen Mobilität, zum Unterstützungsbedarf und zur pflegefachlichen Einschätzung passen.
Regelmäßige Überprüfung
Verändert sich der Gesundheitszustand einer Person, muss auch die Konfiguration überprüft werden. Zusätzlich sollte die Einrichtung auswerten, welche Meldungen auftreten und ob die festgelegten Abläufe funktionieren.
Häufige Fragen
Was ist ein Liegetrauma?
Ein Liegetrauma beschreibt gesundheitliche Folgen, die durch längeres unbeabsichtigtes Liegen nach einem Sturz oder einem anderen akuten Ereignis entstehen können. Eine einheitliche zeitliche Grenze gibt es nicht.
Warum kann langes Liegen nach einem Sturz gefährlich sein?
Längeres Liegen kann zusätzlich zur Sturzverletzung unter anderem zu Unterkühlung, Flüssigkeitsmangel, Druckschäden und Muskelschädigungen führen. Das individuelle Risiko hängt vom Gesundheitszustand, der Liegedauer und den Umgebungsbedingungen ab.
Sind Menschen mit Demenz besonders gefährdet?
Menschen mit Demenz können ein erhöhtes Sturzrisiko haben. Nach einem Sturz können außerdem Orientierung, Kommunikation oder das selbstständige Auslösen eines Notrufs erschwert sein. Das Risiko muss dennoch für jede Person individuell beurteilt werden.
Kann KI-Sturzerkennung einen Sturz vorhersagen?
Nein. KI-Sturzerkennung erkennt konfigurierte Sturzereignisse. Sie erkennt keine Vorzeichen und sagt nicht voraus, ob oder wann eine Person stürzen wird.
Kann automatische Sturzerkennung ein Liegetrauma verhindern?
Eine automatische Sturzmeldung kann dazu beitragen, die Dauer des unbemerkten Liegens zu verkürzen. Sie kann jedoch nicht garantieren, dass kein Liegetrauma oder keine andere gesundheitliche Folge entsteht.
Muss die gestürzte Person selbst einen Notruf auslösen?
Bei automatischer Sturzerkennung muss die betroffene Person die Sturzmeldung nicht selbst auslösen. Das kann insbesondere dann relevant sein, wenn sie nicht sprechen, keinen Notrufknopf erreichen oder die Situation nicht einordnen kann.
Was geschieht nach einer Sturzmeldung?
Das hängt vom festgelegten Ablauf der Einrichtung ab. In der Regel erhält eine zuständige Pflegekraft die Meldung, überprüft die Situation und leitet abhängig vom Zustand der Person die erforderliche Unterstützung ein.
Fazit: Automatische Erkennung kann unbemerktes Liegen verkürzen
Bei einem Liegetrauma entsteht das gesundheitliche Risiko nicht nur durch den Sturz selbst, sondern auch durch das anschließende lange Liegen. Für Menschen mit Demenz kann die Situation besonders kritisch sein, wenn sie keinen Hilferuf auslösen oder das Geschehen nicht richtig einordnen können.
KI-basierte Sturzerkennung sagt keine Stürze voraus und ersetzt weder die individuelle Sturzprophylaxe noch die pflegefachliche Beurteilung. Sie kann jedoch ein konfiguriertes Sturzereignis automatisch melden. Damit entsteht die Möglichkeit, früher auf die Situation aufmerksam zu werden und die Dauer unbemerkten Liegens zu verkürzen.
Damit dieser Nutzen im Pflegealltag ankommt, müssen Erkennung, Alarmweg und organisatorische Reaktion zusammenpassen.
Sie möchten prüfen, wie automatische Sturzerkennung in Ihre bestehenden Alarmierungs- und Pflegeprozesse integriert werden kann? Lassen Sie sich zu Funktionsumfang, technischen Voraussetzungen und den passenden Konfigurationsmöglichkeiten beraten.